Waldzustandsbericht 2006

„Geringfügige Verbesserung gegenüber den Vorjahren“

Im Jahr 2006 hat sich der Kronenzustand der Waldbäume bundesweit nur wenig verändert. Die Anzahl der Bäume mit einer deutlichen Kronenverlichtung (Schadstufe 2 – 4) ist um 1 %-Punkt auf 28 % gesunken. Stärker war der Rückgang bei der Fichte: minus 4 %-Punkte auf 27 % und der Eiche: minus 7 %-Punkte auf 44 %. Deutlich zugenommen hatten die Schäden bei der Buche. Sie stiegen um 4 %-Punkte auf 48 %. Hinzu kommt, dass bei der Buche die Bäume ohne Schäden (Kronenverlichtung) im Gegensatz zu den anderen Baumarten nicht zurückgegangen sind. Die Buche hat damit die Eiche, die im vergangenen Jahr die Baumart mit den höchsten Schäden war, abgelöst.

Nach Auffassung der Bundesregierung erholen sich die Waldbäume nur langsam von den Folgen des trockenen Sommers 2003. Deutlicher zeigt sich, dass sich die Klimaveränderung im Waldzustand bemerkbar machen. Hitze und Trockenheit beeinflussen nicht nur den Kronenzustand, sondern auch das Blühen und Fruchten der Waldbäume. Geschwächte Bäume begünstigen zudem die Aktivität von Forstschädlingen (z. B. Borkenkäfer).

Der Kronenzustand der Waldbäume wird seit 1984 regelmäßig in ganz Deutschland erfasst und im Waldzustandsbericht veröffentlicht. Er ist ein gut zu beurteilender „Frühindikator“, der zuverlässig Auskunft über den Gesundheitszustand der Waldbäume gibt. Die Stiftung Wald in Not setzt sich daher für eine Beibehaltung der jährlichen Erfassung des Waldzustandes durch die Bundesländer. Sie hat zu dieser Frage am 20.11.2006, in Gotha, ein wissenschaftliches Symposium veranstaltet. Die Ergebnisse sind in der „Gothaer Erklärung“ zusammengefasst worden. Insbesondere vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden Klimawandels ist eine regelmäßige Erfassung des Gesundheitszustandes unseres Waldes von Bedeutung, um rechtzeitig entsprechende Vorsorgemaßnahmen planen und einleiten zu können.

In der Entwicklung des Kronenzustandes unserer wichtigsten Waldbäume gibt es regionale Unterschiede, die aus den nachfolgend aufgeführten Ergebnissen aus einzelnen Bundesländern deutlich werden:

Zusammenfassung der Ergebnisse in einzelnen Bundesländern

Baden-Württemberg:
In den letzten 4 Jahren hat sich der Waldzustand in Baden-Württemberg gravierend verschlechtert. Dieser Trend wird durch die Ergebnisse der Waldschadensinventur 2006 bestätigt. Im aktuellen Jahr sind 45,1 % der Waldfläche Baden-Württembergs deutlich geschädigt. Somit ist im 4. Jahr infolge keine Verringerung des hohen Schadensniveaus zu beobachten. Der Anteil der deutlich geschädigten Fichtenfläche hat sich im vergangenen Jahr von 36 % auf 43 % erhöht. Auch der Vitalitätszustand der Buche hat sich gegenüber dem Vorjahr weiter verschlechtert. Der Anteil der deutlich geschädigten Buchenfläche ist mit 61,7 % auf dem höchsten Stand seit Beginn der Waldschadenserhebung gestiegen. Seit dem Jahr 2001 hat sich damit die Schadensfläche nahezu verdoppelt.

Bayern:
Im Durchschnitt aller Bäume liegt der mittlere Nadel- bzw. Blattverlust gegenüber dem Vorjahr unverändert auf 22,7 %. Der Anteil deutlicher Schäden erhöhte sich zwar geringfügig um 2 %, der Anteil der Bäume ohne Schadensmerkmal stieg jedoch in ähnlichem Umfang. Die 2005 festgestellte Erholung von den Folgen des Extrem-Sommers 2003 hat sich nicht weiter fortgesetzt. Die Nadel- und Blattverluste sind immer noch höher als vor 2003. Die Schäden im Alpenraum liegen durchschnittlich 5 %-Punkte über dem Landesdurchschnitt.

Berlin/Brandenburg:
Mit 18 % deutlich geschädigter Waldfläche (+ 3 %-Punkte) ist der Waldzustand in der Region Berlin/Brandenburg im Jahr 2006 insgesamt noch relativ gut. Der Anstieg der deutlichen Schäden konzentriert sich auf die Schadstufe 2, der Anteil starker Schäden (Schadstufe 3) hat sich gegenüber dem Vorjahr um 1,5 %-Punkte fast verdoppelt. Dagegen ist der Anteil der Schadstufe 0 (ohne sichtbare Schäden) gegenüber 1999 von 57 % auf 32 % nahezu halbiert.

Hessen:
Der Kronenzustand des Hessischen Waldes hat sich gegenüber 2006 im Vergleich zum Vorjahr durch einen Rückgang der Kronenverlichtung von 29 % auf 24 % leicht verbessert. Diese Verbesserung geht zurück auf einen deutlichen Rückgang der Kronenverlichtung bei den jungen Bäumen (bis 60 Jahre) von 17 % auf 12 %. Bei den Bäumen über 60 Jahre liegt der mittlere Nadel- und Blattverlust immer noch bei 30 %

Mecklenburg-Vorpommern:
In Mecklenburg-Vorpommern stieg der Anteil der Bäume, die deutliche Schäden (Schadstufe 2 – 4) aufweisen um 4 %-Punkte auf 16 %. Der Anteil der Bäume, die keine Schadensmerkmale aufweisen, sank im Vergleich zum Vorjahr von 41 % auf 33 %. Der Anteil der Bäume mit schwachen Schäden (Schadstufe 1) liegt bei 51 % (2005: 47 %). Trotz der Zunahme der Schäden liegen in Mecklenburg-Vorpommern die Waldschäden unter dem Durchschnitt der anderen Bundesländer. Ein Anstieg der Kronenverlichtung ist vor allem bei der Eiche zu verzeichnen von 20 % auf 28 %. Bei der häufigsten Baumart im Lande, der Buche, stieg der Anteil der deutlichen Schäden um 2 %-Punkte auf 18 %.

Niedersachsen:
Im Jahr 2006 hat sich der Kronenzustand der Waldbäume in Niedersachsen im Vergleich zum Vorjahr nur leicht verändert. Die mittlere Kronenverlichtung stieg von 15 % auf 16 %. Verschlechtert hat sich der Zustand der älteren Fichte (über 60 Jahre) um 3 %-Punkte (27 % gegenüber 24 %. Ebenfalls um 3 %-Punkte zugenommen hat die mittlere Kronenverlichtung der Buche von 25 % (2005) auf 28 % (2006).

Nordrhein-Westfalen:
Die Fläche der gesunden Bäume hat in Nordrhein-Westfalen ihren bisherigen Tiefstand erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie um 5 %-Punkte auf 25 % gefallen. Damit ist nur noch ¼ aller Bäume ohne Schadensmerkmal. Parallel dazu ist die Anzahl der deutlich geschädigten Bäume leicht gestiegen. Sie hat um 2 %-Punkte zugenommen auf 27 %. Für die Fichte wurde in Nordrhein-Westfalen bislang der schlechteste Wert beobachtet. Der Anteil der Bäume ohne Schadensmerkmale fiel um 10 %-Punkte auf 28 %. Der Anteil der Fläche mit deutlichen Schäden liegt nun bei 26 %. Die Laubbaumarten Eiche und Buche entwickelten sich dagegen positiv. Der Anteil der deutlichen Schäden ist bei der Eiche von 42 % auf 32 % zurückgegangen, bei der Buche von 35 % auf 34 %.

Rheinland-Pfalz:
Der Kronenzustand der Waldbäume als Indikator für den Vitalitätszustand der Wälder hat sich in Rheinland-Pfalz im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Der Anteil der deutlichen Schäden (Schadstufe 2 – 4) ist um 5%-Punkte auf 36 % angestiegen. Während bei Fichte, Eiche und Kiefer das Niveau der Kronenverlichtung nahezu unverändert blieb, stieg bei der Buche der Anteil der Probebäume mit deutlichen Schäden gegenüber dem Vorjahr um 9%-Punkte auf jetzt 53 % an.

Saarland:
In Saarland haben die Waldschäden im Jahr 2006 den höchsten Stand seit 1984 erreicht. Der Anteil der deutlichen Schäden gegenüber dem Vorjahr von 34 % nochmals um weitere 14 %-Punkte auf 48 % gestiegen. Fast alle Baumarten sind von einer Schadenszunahme im zweistelligen Bereich betroffen. Dies entspricht bei der Buche einer Zunahme von 19 %-Punkten, bei der Eiche 13 %-Punkte, bei der Kiefer 26 %-Punkte und bei der Fichte 12 %-Punkte.

Sachsen:
Im Jahr 2006 weisen 14 % der sächsischen Waldfläche deutliche, 45 % leichte und 41 % keine sichtbaren Schäden auf. Sowohl im Vergleich zum Vorjahr, als auch für den gesamten zurückliegenden 16jährigen Beobachtungszeitraum hat sich der Kronenzustand verbessert. Mit 41 % deutlichen Schäden ist die Buche, wie im Vorjahr, in Sachsen die am stärksten geschädigte Baumart.

Sachsen-Anhalt:
Der Kronenzustand des Waldes in Sachsen-Anhalt hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Die mittlere Kronenverlichtung im Gesamtwald (alle Baumarten, alle Alter beträgt 17 %). Relativ hohe Kronenverlichtungswerte werden bei der älteren Fichte (31 %), Buche (32 %) und Eiche (36 %) festgestellt.

Thüringen:
In Thüringen blieb der Waldzustand auf etwa gleichen Niveau, wie in den Vorjahren. Der Waldzustand hat sich nur leicht verschlechtert. Die Schadstufen 1 sowie 2 - 4 sind jeweils um 1 %-Punkt zu Lasten der ungeschädigten Bäume gestiegen. 35 % der Waldfläche in Thüringen weist nun deutliche Schäden (Schadstufe 2 – 4) auf.

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