Die Waldzustandserhebung aus der Sicht des Bundes

Dr. Heino Polley, BFH

Zusammenfassung

Das forstliche Umweltmonitoring und die Waldschadensforschung sind politische Reaktionen auf die Anfang der 1980er Jahre großflächig aufgetretenen „neuartigen“ Waldschäden. Sie haben aufgedeckt, dass es sich dabei um die Symptome einer komplexen Walderkrankung handelt, für deren Zustandekommen sowohl biotische als auch abiotische Faktoren eine Rolle spielen. Neben Luftverschmutzung und Stoffeinträgen wird zunehmend auch der Klimawandel als Ursache diskutiert. Das Waldmonitoring hat wesentlich dazu beigetragen, dass Maßnahmen zur Luftreinhaltung, zum Schutz der Waldböden und der forstlichen Genressourcen sowie stabilisierende forstliche Maßnahmen ergriffen wurden.

Die 1984 bundesweit begonnene Kronenzustandserhebung wurde nach und nach, bei Wahrung der Vergleichbarkeit, in vielen Details verbessert. Sie wird gegenwärtig in über 40 Staaten durchgeführt und ist inzwischen um die Bodenzustandserhebung, das Wald-Intensivmonitoring (EU Level II) und eine nationale Waldinventur (Bundeswaldinventur) ergänzt.

Die Kronenverlichtung ist zwar ein unspezifisches Symptom für die Vitalität der Wälder, doch aus ihrer Entwicklung kann auf die Belastungssituation geschlossen werden. Die jährliche Durchführung der Kronenzustandserhebung ist unumgänglich, um Trends rechtzeitig zu erkennen und Zusammenhänge aufdecken zu können.

Ein richtiger Weg für eine bessere Beurteilung der Situation und Entwicklung unserer Wälder sind integrierende Auswertungen, die Daten über die Bäume und die Waldvegetation, über den Boden, Stoffeinträge und das Klima sowie ökologische Prozessmodelle zusammenführen. Die Datenlage dafür wird sich in den nächsten Jahren weiter verbessern.

Klar definierte Anspracheregeln, Fotoserien und jährliche Abstimmungskurse sichern die Qualität der Kronenansprache, so dass geschulte Trupps in der Regel nicht mehr als 10 %-Punkte vom Referenzwert abweichen.

Seit 1998 wird das Bundesergebnis - rückwirkend bis 1984 - aus den Originaldaten der 16 km x 16 km Stichprobe hochgerechnet. Diese „permanente“ Stichprobe hat den Vorteil, dass die Entwicklung des Kronenzustandes sehr zuverlässig erfasst wird. Allerdings lässt ihr Stichprobenumfang keinen Spielraum für Regionalauswertungen. Diese bleiben den umfassenderen Länderstichproben vorbehalten.

Die Wälder sind ein lebendiges System, das sich infolge natürlicher Prozesse und menschlicher Einflussnahmen ständig verändert. Deshalb müssen auch in der Stichprobe, die aus diesem System gezogen wird, Veränderungen stattfinden. So ist es völlig normal, dass Veränderungen in der Baumartenzusammensetzung oder Altersstruktur der Wälder sich auch in der WZE-Stichprobe wieder finden. Hier wird von Kritikern ein „Gesundschlagen“ der Stichprobe unterstellt. Das findet nur in dem Maße statt, wie auch im Wald schwächere Bäume Platz machen für vitalere.

Bis zum Jahr 2008 soll die Kronenzustandserhebung in Deutschland im Rahmen der Bodenzustandserhebung als 8 km x 8 km-Stichprobe fortgeführt werden. Bund und Länder arbeiten gegenwärtig an einem Konzept für das Waldmonitoring, das auch die Entwicklungen in Europa berücksichtigt. Das BMELV strebt eine Konzentration der Berichterstattung bei jährlicher Erhebung an. Eine Entscheidung darüber steht noch aus.

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