von Joachim Block
Die Waldzustandserhebung war in Rheinland-Pfalz von Anfang an (1984) eingebunden in ein umfassendes, integriertes Beobachtungs- und Messprogramm. Dieses besteht aus Übersichtserhebungen an einem landesweiten Raster und aus Intensivuntersuchungen an ausgewählten Waldökosystem-Dauerbeobachtungsflächen. Die Übersichtserhebungen (Waldzustanderhebung, Bodenzustandserhebung, Waldernährungserhebung) erlauben eine großräumige Muster- und Trenderkennung (z.B. Schadensschwerpunkte und Entwicklung des Kronenzustandes). Die Untersuchungen an Dauerbeobachtungsflächen dienen der Aufdeckung von Ursache-Wirkungsbeziehungen und der Ableitung von Gegenmaßnahmen.
Bei den Übersichtserhebungen werden als Indikatoren für den Waldzustand die Kronenverlichtung, der Anteil vergilbter Nadel/Blätter, die Anzahl der Nadeljahrgänge bei Kiefer, Blatt-/Nadelspiegelwerte, der chemische und physikalische Bodenzustand und der Humuszustand herangezogen. Auf den Dauerbeobachtungsflächen werden darüber hinaus als weitere Indikatoren für den Zustand der Ökosysteme Kronenstrukturmerkmale, der Zuwachs, der Streufall, der Zustand der Bodenvegetation und der stammbesiedelnden Flechten, der Sickerwasserchemismus, auf einigen Flächen auch der komplette Wasser- und Stoffhaushalt eingesetzt.
Das Monitoringkonzept wurde kontinuierlich an den aktuellen Wissenstand angepasst. Es dient der Dokumentation und der Erforschung ökosystemarer Veränderungen durch alle relevanten anthropogenen und natürlichen Einflüsse (Luftschadstoffe, Klimawandel, Bewirtschaft, biotische Gegenspieler). Die verschiedenen Erhebungsebenen (Level I, II, Forschung) bilden eine funktionelle Einheit. Das Herausschneiden einer Ebene vermindert die Aussagekraft des gesamten Monitorings erheblich.
Die Waldzustandserhebung nimmt in diesem Monitoringkonzept eine Schlüsselstellung ein, da sie repräsentative Informationen über die Vitalitätsentwicklung erfasst, die zeitnah dargelegt werden können.
Das Hauptkriterium der Waldzustandserhebung, die Kronenverlichtung, ist ein sensibler Indikator für den Zustand des Baumes und kann zuverlässig angesprochen werden. Zudem ist die Kronenverlichtung eng mit anderen Indikatoren korreliert. Da jeder zu bonitierende Baum als ein sein eigener Referenzbaum betrachtet wird, werden bei der Schätzung der Kronenverlichtung die Standortsverhältnisse, die aktuelle und ehemalige Konkurrenzsituation, der Phänotyp, das Baumalter und Besonderheiten wie z.B. Peitschschäden oder Kronenbruch berücksichtigt. Da eine absolute Referenz fehlt, erfolgen zur Gewährleistung zuverlässiger und reproduzierbarer Bonituren umfassende Qualitätssicherungsmaßnahmen. Der Indikator ist zudem unspezifisch. Daher werden für die differenzial-diagnostische Interpretation zusätzliche Informationen herangezogen, die sowohl aus der Waldzustanderhebung selber (ergänzende Parameter) als auch aus den anderen Rastererhebungen, wie der Bodenzustandserhebung, oder aus den Untersuchungen an den Dauerbeobachtungsflächen stammen.
Das Forstliche Umweltmonitoring liefert auch im Hinblick auf den prognostizierten Klimawandel unverzichtbare Daten zur Reaktion der Waldökosysteme auf die sich verändernden Umweltbedingungen. Es sollte daher unbedingt einschließlich der jährlichen Waldschadenserhebung weitergeführt werden. Unter Wahrung der Kontinuität ist auch weiterhin eine Anpassung des Monitorings an den Wissensstand und an die aktuellen gesellschaftlichen Bedürfnisse erforderlich. Empfohlen wird eine stärkere Anbindung an andere Erfassungssysteme wie die (Bundes-)Waldinventuren. Auch sollten die Daten intensiver für aktuelle Fragestellungen, wie den Klimawandel, den Wasser- und Bodenschutz und Veränderungen der Biodiversität im Wald, genutzt werden.