Alfred Wulf und Jörg Schumacher
Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst des Julius Kühn-Instituts in Braunschweig
In den baltischen Ländern und Polen wird bereits seit Mitte der 1990er Jahre über zahlreiche erkrankte bzw. absterbende Eschen berichtet. Seit dem Jahr 2002 werden auch in Teilen der Bundesrepublik Deutschland und darüber hinaus in Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Österreich und der Schweiz z. T. gravierende Schäden an Eschen (Fraxinus excelsior, F. angustifolia) festgestellt. Die Berichterstattung in Deutschland darüber erfolgt in den einschlägigen Fachzeitschriften seit 2005 (Wulf &Schumacher 2005). Bedingt durch die starke Zunahme der Schäden wird die Krankheit vielfach aber erst seit etwa zwei Jahren richtig wahrgenommen.
Die Schadsymptome äußern sich z. B. in Form von Welke, vorzeitigem Blattfall und einem auffälligen Triebsterben in Verbindung mit Rindennekrosen ohne Schleimfluss. Die Läsionen in der Rinde grenzen sich häufig scharf gegen das noch gesunde Gewebe ab und zeigen eine blass ockergelbliche oder violettbraune bis kupferrötliche Färbung. Unterhalb der absterbenden oder gerade abgestorbenen Rinde weist der Holzkörper mitunter eine schwache, vom Jahrringverlauf unabhängige Verbräunung auf. Am häufigsten beobachtet werden Krankheitsbilder, die durch einen anhaltenden Degenerations- oder mehrjährigen Sterbeprozess gekennzeichnet sind. Dabei folgt dem Welken oder Zurücksterben der anfänglich nur jüngeren Kronenteile zumeist noch ein Neuaustrieb an der Pflanzenbasis. Wiederholtes Triebsterben kann zu allmählicher Verbuschung führen. Im fortgeschrittenen Stadium sterben auch ganze Kronenteile oder der Baum in seiner Gesamtheit ab. An Jungpflanzen ist häufig ein besonders rasanter Krankheitsverlauf zu erkennen.
Die Ursachen und begleitenden Faktoren der Erkrankung wurden anfangs sehr differenziert diskutiert. Zunächst existierten keine ausreichenden Kenntnisse, ob die Schäden, die an Eschen variablen Alters und auf unterschiedlichen Standorten auftreten, grundsätzlich eine Folge besonderer klimatischer Gegebenheiten sind oder ggf. auch durch aggressive Krankheitserreger hervorgerufen werden könnten. Mehrheitlich wurden extrem trockene oder kühlfeuchte Sommerwitterung, häufige Wechsel zwischen milden und strengen Winterperioden sowie Spätfröste als wesentliche physiologische Vorschädigung für das nachfolgende Auftreten verschiedener Organismen angesehen.
Auf der Suche nach den Ursachen der neuartigen Eschenschäden sind an den äußeren Pflanzenorganen absterbender bzw. abgestorbener Triebe eine Reihe von Pilzarten sporadisch nachgewiesen worden. Die anfänglich im Zusammenhang mit der Erkrankung isolierten Pilze waren allerdings eher als Saprophyten oder bestenfalls Schwächeparasiten bekannt, so dass Pilze als Erreger für die Erkrankung zunächst nicht ernsthaft in Betracht gezogen wurden. Diese Bewertung änderte sich allerdings mit der Erstbeschreibung der aus erkrankten Eschen isolierten Chalara fraxinea in Polen (Kowalski 2006). Der Nachweis dieses Pilzes war schon durch seine mehr oder weniger enge Verwandtschaft zu den Erregern des Ulmensterbens und der Platanenwelke ausgesprochen spektakulär. Hinzu kam, dass der Pilz wenig später an unserem Institut auch bei deutschem Probematerial gefunden werden konnte (Schumacher et al. 2007) und nunmehr bei Anwendung geeigneter Technik weitgehend in allen Regionen Europas aus erkrankten Eschen isoliert wird. Seither wird ihm eine zentrale Rolle im Krankheitsgeschehen zugeschrieben.
Auch wenn sich das Bild bezüglich der Ursachen des Eschensterbens mittlerweile immer mehr verdichtet, sind wir von einer Klärung der Pathogenese bei dieser Erkrankung noch weit entfernt. Die epidemiologische Entwicklung spricht nach derzeitigen Kenntnissen sehr dafür, dass es sich um eine Infektionskrankheit handelt. Die Tatsache, dass bei angemessener Isolationstechnik bei allen in unserem Institut untersuchten Pflanzenproben an geschädigten Eschen ohne Ausnahme der Pilz Chalara fraxinea gefunden werden kann, was auch von anderen Arbeitsgruppen so berichtet wird, unterstreicht diese Bewertung. Inoculationsversuche belegen zudem ein pathogenes Potenzial des Pilzes. Unklar ist bis heute allerdings, wie der Erreger zwischen den Wirtspflanzen übertragen wird. Die rasante Ausbreitung der Krankheit deutet allerdings darauf hin, dass ein sehr effektiver Überträger (Vektor) dabei im Spiel sein muss. Unsere aktuellen Untersuchungen konzentrieren sich somit auf die Suche nach dem Übertragungsweg und dem möglicherweise vorhandenen Vektor des Erregers, den wir ggf. im Bereich der Arthropoden vermuten.
Weitere Informationen: www.eschentriebsterben.org
Spezifische Literatur: