Dr. Christoph Abs:

25 JAHRE STIFTUNG WALD IN NOT – EINE BILANZ

Vor mehr als 25 Jahren alarmierten Förster, Forstwissenschaftler und Waldbesitzer die Öffentlichkeit mit Hinweisen auf Schäden in den Wäldern von bisher nicht gekannter Art und Ausmaß. Als Ursache wurde der so genannte „Sauere Regen“ identifiziert. Die Medien berichteten in einer bis heute nicht wieder erreichten Häufigkeit und Ausführlichkeit über die Entwicklung. Sie kennzeichneten den Zustand mit dem Begriff „Waldsterben“. Die großen Umweltverbände zeichneten Katastrophenzenarien für den deutschen Wald und verunsicherten die Bevölkerung mit der Aussage: „In 20 Jahren gibt es kein Wald mehr in Deutschland!“. Die Politik reagierte auf den öffentlichen Druck und beschloss, Maßnahmen zur Entschwefelung der großen Kraftwerke und die Einführung von Katalysatoren zur Abgasreinigung bei Kraftfahrzeugen.

Ergebnis der ersten bundesweiten Waldschadenserhebung war, dass 34 % der Waldfläche Schäden aufwies. Besonders geschädigt waren die Nadelbäume (Tanne und Fichte). Schwerpunkt waren die Kammlagen der Mittelgebirge.

Abb. 1: Waldschäden am Belchen im Schwarzwald. Foto: Projekt Wald in Not

Die Diskussion um das „Waldsterben“ war Anlass zur Gründung der Stiftung Wald in Not am 4.10.1983. Sie sollte, unabhängig von einzelnen Verbänden und vom Staat, als Gemeinschaftswerk Hilfe für den Wald mobilisieren.

Heute taucht der Begriff „Waldsterben“ nicht mehr in den Schlagzeilen der Medien auf. Er wurde ersetzt durch den Begriff „Neuartige Waldschäden“. Über sie wird in der Regel nur noch einmal jährlich bei der Veröffentlichung der Waldzustandsberichte des Bundes und der Länder berichtet wird. Der Titel der Berichte hat sich in den 90er Jahren ganz allmählich von „Waldschadensbericht“ in „Waldzustandsbericht“ gewandelt.

Die Öffentlichkeit interessiert sich daher heute kaum noch für die Gefährdung der Wälder in Deutschland durch Schadstoffeinflüsse und Umweltveränderungen. Umwelt- und Naturschutzverbände rückten in den 90er Jahren die Situation der außereuropäischen Wälder, als Faktor im Klimaschutz, und den Naturschutz in den heimischen Wäldern stärker in das öffentliche Interesse. Heute sind ein sich wandelndes Klima und deren Folgen eine zunehmende Gefahr für den Wald.

Bereits 1989 hat die Stiftung dieses Thema in einer Veranstaltung mit dem Vorsitzenden der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages, Bernd Schmidtbauer, und dem Münchener Waldbau-Professor, Peter Burschel, zum Thema „Treibhauseffekt und Wald“ aufgegriffen. Burschel wies damals besonders auf die Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft im globalen CO2-Haushalt hin. Die Vorträge wurden in der Informationsbroschüre „Treibhauseffekt und Wald“ veröffentlicht. Weitere Veranstaltungen mit Prof. Burschel wurden zu diesem Thema durchgeführt, beispielsweise mit dem Umweltausschuss des Bundesverbandes der Deutschen Industrie oder Vertretern der Naturschutzverbände. Die Stiftung hat damit gemeinsam mit Prof. Burschel wichtige Anstöße zur Diskussion über die Bedeutung des Waldes als CO2-Senke gegeben, die heute auch in den internationalen Konferenzen zum Klimaschutz im sogenannten Kyoto-Prozess eine wichtige Rolle spielt.

Die Entwicklung in den letzten 25 Jahren bedeutet aber nicht, dass sich an der Situation des Waldes grundlegendes zum Positiven verändert hat. Die große Katastrophe eines flächenhaften Absterben des Waldes, wie es von einigen Verbänden und Wissenschaftlern Anfang der 80er Jahre vorausgesagt wurden, ist ausgeblieben. Dies hat dazu geführt, dass von der Bevölkerung der Zustand des Waldes nicht mehr als besorgniserregend erkannt wird. Er hat sich aber keineswegs verbessert. Die Waldzustandsberichte des Bundes und der Länder weisen heute höhere Schäden aus, als vor 25 Jahren.

Der Unterschied zu den Erhebungen in den 80er Jahren ist, dass der Schwerpunkt der Schäden nicht mehr bei den Nadelbäumen, sondern bei unseren wichtigsten Laubbaumarten, Buche und Eiche, liegt. Sie galten Anfang der 80er Jahre als widerstandsfähiger gegen Luftschadstoffe. Dies hat sich aber als Trugschluss erwiesen. Mittlerweile nehmen sie die Spitzenplätze in der Waldschadensstatistik ein. Dies ist ein besonderes Problem, weil diesen Baumarten in naturnäheren und ökologisch stabilen Waldbeständen größere Bedeutung zukommt. Darüber hinaus schlummert in den Waldböden durch langjährige Schadstoffeinträge eine „ökologische Zeitbombe“.

Die Stiftung hat sich dafür eingesetzt, den Eintrag von Säuren in die Waldböden durch eine Waldkalkung auszugleichen. Sie konnte mit der Hilfe von Sponsoren in den letzten Jahren auch Waldkalkungsprojekte vor allem in Trinkwassereinzugsgebieten unterstützen.

Die intensive Diskussion um das „Waldsterben“ und die aufgrund dieser Diskussion erlassenen Umweltschutzvorschriften haben erfreulicherweise dazu geführt, dass, die Schwefeldioxydimmissionen in unsere Wälder um gut 90 % vermindert werden konnten. Leider ist dies beim Stickoxyd, das vor allem aus dem Kraftfahrzeugverkehr stammt, nicht gelungen, trotz Einführung des geregelten Katalysators. Hier hat die Zunahme des Kraftfahrzeugbestandes und der Fahrleistungen von PKW und LKW dazu geführt, dass die Stickoxydemissionen und die daraus entstehenden Folgeprodukte, wie Ozon, noch nicht entscheidend gesenkt werden konnten. Es ist zu hoffen, dass im Zusammenhang mit der Diskussion um die Verminderung von CO2 im Bereich der Automobile auch durch sparsame Kraftfahrzeuge die Stickoxydemissionen vermindert werden.

Es gibt also in diesem Bereich für den Wald noch einiges zu erreichen.

Was hat die Stiftung Wald in Not in den vergangenen 25 Jahren getan?

Die Stiftung Wald in Not hat sich nie an Katastrophenszenarien beteiligt und sich von Anfang an um die Wiederaufforstung geschädigter Wälder bemüht. Auch um den Menschen ein positives Zeichen zu geben, dass eine Verbesserung der Umweltsituation für die Wälder möglich ist. Dies hat ihr anfänglich erhebliche Kritik eingebracht.

Ziel der Stiftung Wald in Not war die Erhaltung und Vermehrung des Waldes in Deutschland. Dieses Ziel versuchte sie, durch die Entwicklung, Durchführung und Förderung von Projekten in folgenden Bereichen zu erreichen:

  • Information der Öffentlichkeit
  • Erforschung von Ursachen der Waldschäden und deren Beseitigung
  • Erhaltung, Schonung und Vermehrung des Ökosystems Wald
  • Zusammenarbeit mit den Nachbarländern

Zur Information der Öffentlichkeit sind zahlreiche Informationsbroschüren erschienen. Die Stiftung unterstützt damit auch die Öffentlichkeitsarbeit anderer Verbände und Organisation sowie der Forstverwaltungen. Eine besondere Zielgruppe sind Lehrer und Schüler. Für sie sind einige spezielle Veröffentlichungen erarbeitet worden.

Abb. 2: Beispiele für Titelbilder von Broschüren

Themen waren:

  • Die Waldschäden und Ihre Ursachen
  • Erneuerbare Energiequellen, insbesondere Holz, und deren Nutzung als Beitrag zum Abbau der Ursachen von Waldschäden
  • Die Bedeutung des Waldes und seine nachhaltige Nutzung für den Klimaschutz
  • Der Schutz und die Erhaltung der Schutzfunktionen der Bergwälder
  • Schutz und Nutzung der Buchenwälder
  • Die Vermehrung des Waldes durch die Pflanzung neuer Wälder
  • Der Einfluss des Waldes auf den Wasserhaushalt und die Bedeutung des Bodenschutzes für Wald- und Wasserhaushalt
  • Die Erhaltung und Nutzung seltener Baumarten in unseren Wäldern als Beitrag zur biologischen Vielfalt
  • Wald und Gesundheit
  • „Nachhaltige Waldwirtschaft“ als Beispiel für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen
  • Wald und die Folgen eines Klimawandels

Die Stiftung führte Informationsveranstaltungen zu aktuellen Waldthemen durch. Sie unterstützte und beteiligte sich an Veranstaltungen anderer Verbände und Organisationen. Beispielsweise zu den „Bäumen des Jahres“ oder im „Internationalen Jahr der Berge“, zur „Pflege und Erhaltung des Bergwaldes“.

Weitere Themen waren z. B.: „10 Jahre Waldkalkung“, „Die Fortentwicklung der Waldzustandserhebung“, „Wald und Gesundheit“, „Waldvermehrung“, „Bedeutung der genetischen Vielfalt für die Zukunft der Wälder“.

Die Stiftung förderte Waldinformationszentren und andere Einrichtungen, die der forstlichen Öffentlichkeitsarbeit und der Waldpädagogik dienen. Beispielsweise das Expo-Projekt: „ErlebnisWald“ in Solling und das Walderlebniszentrum in Füssen-Ziegelwies.

Die Informationsarbeit der Stiftung soll deutlich machen, dass neben dem Schutz des Waldes vor schädlichen Umwelteinflüssen, insbesondere den Luftschadstoffen, die naturnahe Waldbewirtschaftung ein wichtiger Beitrag zu seiner Erhaltung ist. Dazu gehört die Nutzung von Holz als nachwachsender und umweltfreundlicher Bau- und Werkstoff oder als erneuerbare Energiequelle. Beides hat im Hinblick auf einen Klimawandel besondere Bedeutung.

Die Stiftung unterstützte Forschungsvorhaben und konnte bei größeren Forschungsvorhaben Finanzierungslücken durch Zuschüsse überbrücken oder in Forschungseinrichtungen die Anschaffung wichtiger Geräte unterstützen.

Umfangreichstes Forschungsvorhaben war in den 80er Jahren eine Untersuchung des Lehrstuhls für Waldbau und Forsteinrichtung der Universität München unter Leitung von Prof. Peter Burschel zum Wiederaufbau geschädigter Waldflächen. Dieses Vorhaben ging der Frage nach „Wie kann der Waldbau auf die neuartigen Waldschäden reagieren?“. Untersucht wurde die Frage auf Versuchsflächen in den Alpen, im Frankenwald und im Fichtelgebirge. Es wurden Antworten auf folgende Fragen gesucht:

  • Mit welchen Baumarten sollte die Wiederaufforstung vorgenommen werden?
  • Sollte man warten bis größere Freiflächen entstanden sind oder sollte man mit einer frühzeitigen Verjüngung unter dem Schirm des absterbenden Bestandes beginnen?
  • Kann man auf Naturverjüngung warten?
  • Wird das Wachstum der Bäume durch den Schadstoffeintrag beeinträchtigt?
  • Ist eine Nährstoffzufuhr durch Düngung notwendig bzw. hilfreich?
  • Wie soll ein evtl. noch vorhandener Altbestand behandelt werden.

Die Ergebnisse des Projektes haben gezeigt, dass der Waldbauer vor Ort dem Schadgeschehen keinesfalls hilflos gegenüber stehen muss. Durch geeignete waldbauliche Maßnahmen kann er den Gesundheitszustand und die Zukunftsaussichten der Waldbestände beeinflussen und eine frühzeitige Waldverjüngung unterstützen.

Diese Möglichkeiten sind jedoch beschränkt und dürfen auf keinen Fall darüber hinweg täuschen, dass die Reduzierung der Schadstoffimmissionen eine Voraussetzung ist. Zur Sicherung der Zukunft des Waldes ist aber die frühzeitige Verjüngung unter dem Schirm der Altbestände, auch durch die Einbringung von Mischbaumarten wichtig. Ein begrenzender Faktor für die Verjüngung, vor allem der Mischbaumarten, ist die Höhe des Schalenwildbestandes. Hier tragen die Jäger eine große Verantwortung für die Zukunft unserer Wälder.

Die Ergebnisse sind auch Grundlage für einen Waldumbau im Hinblick auf den sich abzeichnenden Klimawandel.

Ein weiteres Forschungsvorhaben hat die Stiftung Wald in Not Anfang der 90er Jahre im Alpenraum unterstützt. Es beschäftigte sich mit der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Verschlechterung des Waldzustandes und dessen Auswirkungen auf die Abfluss- und Abtragungsvorgänge gibt, um das Risiko von möglichen Hochwassergefahren besser abschätzen zu können.

Hochwasserereignisse, beispielsweise des Sommers 2002 im Erzgebirge und im Alpenraum, unterstreichen die Bedeutung der Fragestellung.

Die Ergebnisse machten deutlich, dass in einem dicht geschlossenen Wald kein nennenswerter Oberflächenabfluss und damit auch kein Bodenabtrag auftritt. Hat ein Waldbestand jedoch die Hälfte oder mehr seiner ursprünglichen Bestockung verloren, dann erhöht sich nach starken Regenfällen, die aus Gräben, Rinnen und den unmittelbar benachbarten Geländebereiche transportierten Materialmengen um 50 %. Diese Entwicklung vergrößert die Gefahr von Überschwemmungen und Schlammlawinen.

Abb. 3: Waldschäden im Schutzwald des Ostallgäus. Foto: Abs

Die Erhaltung der Schutzfunktion der Bergwälder bildete einen besonderen Schwerpunkt in der Arbeit der Stiftung Wald in Not. Sie führte von 1986 bis 2006 gemeinsam mit dem Deutschen Alpenverein ein Pilotprojekt durch, um unter dem Vorzeichen zunehmender Waldschäden im Gebirge, eine Übergangsstrategie für die Erhaltung der Schutzfunktion des Bergwaldes zu entwickeln. Dazu wurde im Landkreis Berchtesgaden eine Versuchsfläche angepachtet. Sie liegt direkt über einer viel befahrenen Alpenstraße, in einer Höhenlage zwischen 600 m und 800 m über N. N. und ist max. 45° steil. Der Zustand des Waldes war besorgniserregend. Große Freiflächen, sehr lückige Bestände und abgestorbene Bäume kennzeichneten diesen „Schutzwald“. In einem Arbeitskreis aus Wissenschaftlern und Praktikern wurde ein Versuchskonzept für die Fläche erarbeitet und später umgesetzt. Folgende Themenbereiche wurden untersucht:

  • Welche Möglichkeiten der Wiederbewaldung bietet die Natur, wenn der Wildverbiss ausgeschaltet ist, beispielsweise durch Zaunbau?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, die Wiederbewaldung durch gezielte Aufforstungsmaßnahmen zu fördern?
  • Welche Baumarten und Gehölze sind dazu besonders geeignet?
  • Welche flankierenden Maßnahmen, wie z. B. technische Schutzmaßnahmen gegen Schneebewegung und Zaunschutz sind in Kombination mit Aufforstungsmaßnahmen erforderlich?
  • Inwieweit sind die gewonnenen Ergebnisse auf gleichartige Standorte übertragbar?

Ein entscheidender Faktor für die Entwicklung der Versuchsfläche war auch hier die Verbisswirkung des Schalenwildes. Dies konnte aufgrund des Vergleichs zwischen Versuchsvarianten mit und ohne Zaunschutz dargestellt werden. Mit einfachen technischen Maßnahmen, wie Pflöcken oder Dreibeinböcken aus Holz, wurden die Pflanzen gegen Schneebewegungen geschützt. Dies erwies sich als sehr vorteilhaft für das Wachstum der Verjüngung. Mit dem Versuchsprojekt und seinen Ergebnissen konnten wichtige Anregungen in die politische Diskussion um das Schutzwaldsanierungsprogramm in Bayern eingebracht werden.

Abb. 4: Dreibeinbock auf der Projektfläche Karlstein zum Schutz der jungen Bäume gegen Schneebewegungen.
Foto: Abs

Anfang der 90er Jahre spielte in der Diskussion um die Ursachen der Waldschäden die Wirkungen des Schadgases „Ozon“ auf Bäume eine große Rolle. Zu dieser Fragestellung förderte die Stiftung eine Versuchsanlage von Prof. Koch, Lehrstuhl für Forstbotanik der Universität München, der an einem Altbaum einzelne Zweige einem Begasungsversuch aussetzte. Er stellte u.a. fest, dass Ozon bereits in niedrigen Konzentrationen die Blattorgane schädigt und damit den Wasserhaushalt des Baumes beeinflusst.

Eine weitere in der Öffentlichkeit diskutierte Frage war die Wirkung elektromagnetischer Felder auf Bäume. Die Stiftung erhielt immer wieder Hinweise, dass im Bereich von Radarstationen Waldschäden auftraten. In einem Freilandversuch wurde die Frage untersucht. Als Versuchsobjekte wurden zwei Fichten und eine Rotbuche ausgewählt. Die Bäume wurden über 3 Vegetationsperioden einem hochfrequentem, gepulstem elektromagnetischem Feld ausgesetzt. Eine Baumhälfte wurde abgeschirmt. Das Ergebnis der Untersuchungen war, dass die von einer Radaranlage ausgestrahlten magnetischen Felder keinen Einfluss auf die untersuchten Parameter hatte. Damit war die vielfach geäußerte Hypothese, dass Radaranlagen mit zu den Ursachen von Waldschäden, vor allem in den Mittelgebirgen, gehören, nicht bestätigt worden.

Ein besonderer Schwerpunkt der Stiftung waren direkte Maßnahmen zur Erhaltung und Vermehrung des Waldes in Deutschland.

Neben der Bekämpfung der Ursachen der neuartigen Waldschäden ist der Umbau geschädigter Wälder, mit dem Ziel ökologisch stabilere Mischwälder zu schaffen, ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Wälder in Mitteleuropa. Mit Hilfe von zahlreichen Sponsoren hat die Stiftung an vielen Orten in Deutschland Projekte angeregt und unterstützt.

In den 80er Jahren wurden unsere Baumpflanzaktionen von vielen, insbesondere Umweltverbänden, kritisiert mit dem Hinweis, dies sei kein Beitrag zur Bekämpfung der Waldschäden. Die Stiftung wollte aber mit diesen Aktionen den Menschen die Hoffnung geben, dass diese Bäume in eine schadstoffärmere Zukunft wachsen können.

Abb. 5: Pflanzaktion mit Jugendlichen. Foto: Abs

Heute unter den Aspekten des Klimawandels und der CO2-Speicherung hat man erkannt, wie wichtig die Pflanzung von Bäumen zur Walderhaltung und Waldvermehrung ist und auch die Umweltverbände, die damals Kritik übten, führen heute solche Aktionen durch.

Ein Schwerpunkt der Pflanzaktionen waren die Bergwälder im Alpenraum. Dort waren die immissionsbedingten Schäden überdurchschnittlich hoch. 1990 entstanden durch die Orkane „Wiebke“ und „Vivian“ sowie anschließenden Borkenkäfermassenvermehrungen weitere große Schadflächen. Es gelang der Stiftung für die Walderhaltung in der Region Ostallgäu in den vergangenen 20 Jahren über 250.000 € aufzubringen.

Die Aktivitäten im Bergwald wurden durch entsprechende Informationsarbeit begleitet.

Ein anderer Schwerpunkt lag nach der Wiedervereinigung im Osten Deutschlands. Dort waren neben dem Erzgebirge, vor allem in der Oberlausitz, die Wälder erheblich durch Schwefeldioxidemissionen benachbarter Braunkohlekraftwerke geschädigt. Daher hat die Stiftung beispielsweise dem Forstbetrieb des Klosterstifts St. Marienthal mit 140.000 € geholfen, seine Wälder, die den Emissionen dreier umliegender Braunkohlekraftwerke ausgesetzt waren, wieder aufzuforsten bzw. umzubauen.

Ebenfalls im Stadtwald Zittau haben wir Walderhaltungsprojekte unterstützt, u. a. um die dort ursprünglich heimische Weißtanne wieder einzubringen. Auch an vielen anderen Orten haben wir geholfen, geschädigte Fichtenwälder durch Pflanzung von Laubbäumen langfristig in ökologisch stabilere Mischbestände umzubauen.

Abb. 6: Die Walderhaltungsprojekte im Stadtwald Zittau werden unterstützt von Musterring International. Foto: Abs

In einigen dieser Projekte wurden auch die seltenen Baumarten Eibe, Elsbeere und Speierling gepflanzt.

Um diese besonders gefährdete oder seltene Baumarten hat sich die Stiftung in den letzten Jahren besonders bemüht. Sie hat ein Projekt, das sich mit neuartigen Krankheitssymptomen an der Schwarzerle im Spreewald befasst und das im vergangenen Jahr abgeschlossene Projekt zur Wiederansiedlung der europäischen Schwarzpappel im Nationalpark „Unteres Odertal“ im Rahmen der Initialisierung von Auwäldern gefördert. Zum Thema „Seltene Baumarten“ hat sie eine Broschüre herausgegeben. Aus diesem Engagement resultiert der Einsatz für den Förderkreis Speierling und die IG Edelkastanie, die sie seit einigen Jahren bei der Geschäftsführung und der Durchführung ihrer Jahrestagungen unterstützt.

Abb. 7: Mitglieder des Förderkreises Speierling begutachten einen starken Feldspeierling bei der Jahrestagung 2008 in Marmoutier im Elsass. Foto: Abs

Nach den Orkanen „Wiebke“, „Vivian“ (1990), „Lothar“ (1999) und „Kyrill“ (2007) war die Hilfe der Stiftung gefragt. Nach „Lothar“ konnte z. B. 135.000 € aus Spenden für die Wiederaufforstung der Wälder aufgebracht werden.

Neben Sanierung und Umbau von Waldflächen, ist die Waldvermehrung ein Anliegen der Stiftung. Sie betrachtet dies als aktiven Beitrag zum Schutz des Klimas. Der Wald ist bekanntlich eine wichtige CO2-Senke. In Mitteleuropa sollten wir, auf ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Flächen neuen Wald anpflanzen, um die CO2-Speicherfunktion der Wälder zu vermehren.

Im Jahre 2000 veranstaltete die Stiftung ein europäisches Symposium zur Waldvermehrung in Freiburg.

Leider stößt die Idee der Waldvermehrung in Deutschland auch auf Widerstände. Um die Diskussion zu versachlichen und Hinweise zu einer landschaftsverträgliche Waldvermehrungspolitik zu geben, wurde die Broschüre „Wir brauchen mehr Wald“ erarbeitet. Sie gibt Hinweise zu einer Waldvermehrung, die im Einklang mit den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege steht.

In den unterschiedlichen Waldprojekten wurden mit Unterstützung der Stiftung aus Spenden fast 3 Millionen Bäume gepflanzt.

Ein letzter Bereich der Arbeit der Stiftung Wald in Not ist die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Sie ist ein wichtiger Beitrag zum Abbau der Ursachen der Waldschäden, die bekanntermaßen in den Emissionen aus der Nutzung fossiler Energiequellen liegen. Sie hat daher einige Pilotprojekte zur Nutzung von Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse gefördert. Sie wirbt für die Nutzung von Holz als Energierohstoff und unterstützen dabei andere Verbände und interessierte Unternehmen.

Am 23.06.2008 beschloss der Stiftungsrat der Stiftung Wald in Not, die Stiftung zum 31.12.2008 aufzulösen und das Stiftungsvermögen sowie deren Aufgaben und Zielsetzungen auf die Deutsche Bundesstiftung Umwelt zu übertragen. Vorstand und Stiftungsrat hätten gerne die Arbeit der Stiftung Wald in Not als selbständige Einrichtung in der bisherigen Form fortgeführt. Leider ließen das bescheiden Stiftungsvermögen und die Entwicklung der Einnahmen der Stiftung dem Stiftungsrat nur die Wahl, diesen Weg zu gehen, um die Idee der Stiftung und deren Ziele langfristig zu sichern.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat am 01.01.2009 innerhalb ihrer Tochter, der DBU Naturerbe GmbH, das „Projekt Wald in Not“ eingerichtet. Im Rahmen dieses Projektes werden u. a. die bisherigen Aktivitäten der Stiftung fortgeführt. Dazu stehen die von der Stiftung übertragenen Mittel zur Verfügung. Die DBU hofft, dass weiterhin Spender und Sponsoren bereit sind, das „Projekt Wald in Not“ zu fördern. Der bisherige Geschäftsführer der Stiftung Wald in Not, Dr. Christoph Abs, wird Leiter des Projektes und damit die bisherige Arbeit der Stiftung fortführen. Daneben wird Dr. Abs Ansprechpartner und Betreuer für die DBU übertragenen Naturerbefläche in der Wahner Heide und in Landau-Ebenberg sein.

Abb. 8: Übergabe der Stiftung Wald in Not an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.
Von rechts nach links: Dr. Fritz Brickwedde (Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt), Dr. Hedda von Wedel (Vorstandsvorsitzende der Stiftung Wald in Not), Dr. Bernhard Vogel (Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Wald in Not), Dr. Christoph Abs (Geschäftsführer der Stiftung Wald in Not). Foto: DBU

Im „Projekt Wald in Not“ soll die Informationsarbeit zum Thema „Wald“ fortgeführt und Pflanzprojekte zur Wiederaufforstung zerstörter Waldflächen oder der naturnahe Umbau von Wäldern unterstützt werden. Maßnahmen, die, vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden Klimawandels, eine wichtige Zukunftsinvestition sind.

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