Dr. Christoph Abs:
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Abb. 2: Beispiele für Titelbilder von Broschüren
Themen waren:
Die Stiftung führte Informationsveranstaltungen zu aktuellen Waldthemen durch. Sie unterstützte und beteiligte sich an Veranstaltungen anderer Verbände und Organisationen. Beispielsweise zu den „Bäumen des Jahres“ oder im „Internationalen Jahr der Berge“, zur „Pflege und Erhaltung des Bergwaldes“.
Weitere Themen waren z. B.: „10 Jahre Waldkalkung“, „Die Fortentwicklung der Waldzustandserhebung“, „Wald und Gesundheit“, „Waldvermehrung“, „Bedeutung der genetischen Vielfalt für die Zukunft der Wälder“.
Die Stiftung förderte Waldinformationszentren und andere Einrichtungen, die der forstlichen Öffentlichkeitsarbeit und der Waldpädagogik dienen. Beispielsweise das Expo-Projekt: „ErlebnisWald“ in Solling und das Walderlebniszentrum in Füssen-Ziegelwies.
Die Informationsarbeit der Stiftung soll deutlich machen, dass neben dem Schutz des Waldes vor schädlichen Umwelteinflüssen, insbesondere den Luftschadstoffen, die naturnahe Waldbewirtschaftung ein wichtiger Beitrag zu seiner Erhaltung ist. Dazu gehört die Nutzung von Holz als nachwachsender und umweltfreundlicher Bau- und Werkstoff oder als erneuerbare Energiequelle. Beides hat im Hinblick auf einen Klimawandel besondere Bedeutung.
Die Stiftung unterstützte Forschungsvorhaben und konnte bei größeren Forschungsvorhaben Finanzierungslücken durch Zuschüsse überbrücken oder in Forschungseinrichtungen die Anschaffung wichtiger Geräte unterstützen.
Umfangreichstes Forschungsvorhaben war in den 80er Jahren eine Untersuchung des Lehrstuhls für Waldbau und Forsteinrichtung der Universität München unter Leitung von Prof. Peter Burschel zum Wiederaufbau geschädigter Waldflächen. Dieses Vorhaben ging der Frage nach „Wie kann der Waldbau auf die neuartigen Waldschäden reagieren?“. Untersucht wurde die Frage auf Versuchsflächen in den Alpen, im Frankenwald und im Fichtelgebirge. Es wurden Antworten auf folgende Fragen gesucht:
Die Ergebnisse des Projektes haben gezeigt, dass der Waldbauer vor Ort dem Schadgeschehen keinesfalls hilflos gegenüber stehen muss. Durch geeignete waldbauliche Maßnahmen kann er den Gesundheitszustand und die Zukunftsaussichten der Waldbestände beeinflussen und eine frühzeitige Waldverjüngung unterstützen.
Diese Möglichkeiten sind jedoch beschränkt und dürfen auf keinen Fall darüber hinweg täuschen, dass die Reduzierung der Schadstoffimmissionen eine Voraussetzung ist. Zur Sicherung der Zukunft des Waldes ist aber die frühzeitige Verjüngung unter dem Schirm der Altbestände, auch durch die Einbringung von Mischbaumarten wichtig. Ein begrenzender Faktor für die Verjüngung, vor allem der Mischbaumarten, ist die Höhe des Schalenwildbestandes. Hier tragen die Jäger eine große Verantwortung für die Zukunft unserer Wälder.
Die Ergebnisse sind auch Grundlage für einen Waldumbau im Hinblick auf den sich abzeichnenden Klimawandel.
Ein weiteres Forschungsvorhaben hat die Stiftung Wald in Not Anfang der 90er Jahre im Alpenraum unterstützt. Es beschäftigte sich mit der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Verschlechterung des Waldzustandes und dessen Auswirkungen auf die Abfluss- und Abtragungsvorgänge gibt, um das Risiko von möglichen Hochwassergefahren besser abschätzen zu können.
Hochwasserereignisse, beispielsweise des Sommers 2002 im Erzgebirge und im Alpenraum, unterstreichen die Bedeutung der Fragestellung.
Die Ergebnisse machten deutlich, dass in einem dicht geschlossenen Wald kein nennenswerter Oberflächenabfluss und damit auch kein Bodenabtrag auftritt. Hat ein Waldbestand jedoch die Hälfte oder mehr seiner ursprünglichen Bestockung verloren, dann erhöht sich nach starken Regenfällen, die aus Gräben, Rinnen und den unmittelbar benachbarten Geländebereiche transportierten Materialmengen um 50 %. Diese Entwicklung vergrößert die Gefahr von Überschwemmungen und Schlammlawinen.

Abb. 3: Waldschäden im Schutzwald des Ostallgäus. Foto: Abs
Die Erhaltung der Schutzfunktion der Bergwälder bildete einen besonderen Schwerpunkt in der Arbeit der Stiftung Wald in Not. Sie führte von 1986 bis 2006 gemeinsam mit dem Deutschen Alpenverein ein Pilotprojekt durch, um unter dem Vorzeichen zunehmender Waldschäden im Gebirge, eine Übergangsstrategie für die Erhaltung der Schutzfunktion des Bergwaldes zu entwickeln. Dazu wurde im Landkreis Berchtesgaden eine Versuchsfläche angepachtet. Sie liegt direkt über einer viel befahrenen Alpenstraße, in einer Höhenlage zwischen 600 m und 800 m über N. N. und ist max. 45° steil. Der Zustand des Waldes war besorgniserregend. Große Freiflächen, sehr lückige Bestände und abgestorbene Bäume kennzeichneten diesen „Schutzwald“. In einem Arbeitskreis aus Wissenschaftlern und Praktikern wurde ein Versuchskonzept für die Fläche erarbeitet und später umgesetzt. Folgende Themenbereiche wurden untersucht:
Ein entscheidender Faktor für die Entwicklung der Versuchsfläche war auch hier die Verbisswirkung des Schalenwildes. Dies konnte aufgrund des Vergleichs zwischen Versuchsvarianten mit und ohne Zaunschutz dargestellt werden. Mit einfachen technischen Maßnahmen, wie Pflöcken oder Dreibeinböcken aus Holz, wurden die Pflanzen gegen Schneebewegungen geschützt. Dies erwies sich als sehr vorteilhaft für das Wachstum der Verjüngung. Mit dem Versuchsprojekt und seinen Ergebnissen konnten wichtige Anregungen in die politische Diskussion um das Schutzwaldsanierungsprogramm in Bayern eingebracht werden.

Abb. 4: Dreibeinbock auf der Projektfläche Karlstein zum Schutz der jungen Bäume gegen Schneebewegungen.
Foto: Abs
Anfang der 90er Jahre spielte in der Diskussion um die Ursachen der Waldschäden die Wirkungen des Schadgases „Ozon“ auf Bäume eine große Rolle. Zu dieser Fragestellung förderte die Stiftung eine Versuchsanlage von Prof. Koch, Lehrstuhl für Forstbotanik der Universität München, der an einem Altbaum einzelne Zweige einem Begasungsversuch aussetzte. Er stellte u.a. fest, dass Ozon bereits in niedrigen Konzentrationen die Blattorgane schädigt und damit den Wasserhaushalt des Baumes beeinflusst.
Eine weitere in der Öffentlichkeit diskutierte Frage war die Wirkung elektromagnetischer Felder auf Bäume. Die Stiftung erhielt immer wieder Hinweise, dass im Bereich von Radarstationen Waldschäden auftraten. In einem Freilandversuch wurde die Frage untersucht. Als Versuchsobjekte wurden zwei Fichten und eine Rotbuche ausgewählt. Die Bäume wurden über 3 Vegetationsperioden einem hochfrequentem, gepulstem elektromagnetischem Feld ausgesetzt. Eine Baumhälfte wurde abgeschirmt. Das Ergebnis der Untersuchungen war, dass die von einer Radaranlage ausgestrahlten magnetischen Felder keinen Einfluss auf die untersuchten Parameter hatte. Damit war die vielfach geäußerte Hypothese, dass Radaranlagen mit zu den Ursachen von Waldschäden, vor allem in den Mittelgebirgen, gehören, nicht bestätigt worden.
Ein besonderer Schwerpunkt der Stiftung waren direkte Maßnahmen zur Erhaltung und Vermehrung des Waldes in Deutschland.
Neben der Bekämpfung der Ursachen der neuartigen Waldschäden ist der Umbau geschädigter Wälder, mit dem Ziel ökologisch stabilere Mischwälder zu schaffen, ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der Wälder in Mitteleuropa. Mit Hilfe von zahlreichen Sponsoren hat die Stiftung an vielen Orten in Deutschland Projekte angeregt und unterstützt.
In den 80er Jahren wurden unsere Baumpflanzaktionen von vielen, insbesondere Umweltverbänden, kritisiert mit dem Hinweis, dies sei kein Beitrag zur Bekämpfung der Waldschäden. Die Stiftung wollte aber mit diesen Aktionen den Menschen die Hoffnung geben, dass diese Bäume in eine schadstoffärmere Zukunft wachsen können.

Abb. 5: Pflanzaktion mit Jugendlichen. Foto: Abs
Heute unter den Aspekten des Klimawandels und der CO2-Speicherung hat man erkannt, wie wichtig die Pflanzung von Bäumen zur Walderhaltung und Waldvermehrung ist und auch die Umweltverbände, die damals Kritik übten, führen heute solche Aktionen durch.
Ein Schwerpunkt der Pflanzaktionen waren die Bergwälder im Alpenraum. Dort waren die immissionsbedingten Schäden überdurchschnittlich hoch. 1990 entstanden durch die Orkane „Wiebke“ und „Vivian“ sowie anschließenden Borkenkäfermassenvermehrungen weitere große Schadflächen. Es gelang der Stiftung für die Walderhaltung in der Region Ostallgäu in den vergangenen 20 Jahren über 250.000 € aufzubringen.
Die Aktivitäten im Bergwald wurden durch entsprechende Informationsarbeit begleitet.
Ein anderer Schwerpunkt lag nach der Wiedervereinigung im Osten Deutschlands. Dort waren neben dem Erzgebirge, vor allem in der Oberlausitz, die Wälder erheblich durch Schwefeldioxidemissionen benachbarter Braunkohlekraftwerke geschädigt. Daher hat die Stiftung beispielsweise dem Forstbetrieb des Klosterstifts St. Marienthal mit 140.000 € geholfen, seine Wälder, die den Emissionen dreier umliegender Braunkohlekraftwerke ausgesetzt waren, wieder aufzuforsten bzw. umzubauen.
Ebenfalls im Stadtwald Zittau haben wir Walderhaltungsprojekte unterstützt, u. a. um die dort ursprünglich heimische Weißtanne wieder einzubringen. Auch an vielen anderen Orten haben wir geholfen, geschädigte Fichtenwälder durch Pflanzung von Laubbäumen langfristig in ökologisch stabilere Mischbestände umzubauen.

Abb. 6: Die Walderhaltungsprojekte im Stadtwald Zittau werden unterstützt von Musterring International. Foto: Abs
In einigen dieser Projekte wurden auch die seltenen Baumarten Eibe, Elsbeere und Speierling gepflanzt.
Um diese besonders gefährdete oder seltene Baumarten hat sich die Stiftung in den letzten Jahren besonders bemüht. Sie hat ein Projekt, das sich mit neuartigen Krankheitssymptomen an der Schwarzerle im Spreewald befasst und das im vergangenen Jahr abgeschlossene Projekt zur Wiederansiedlung der europäischen Schwarzpappel im Nationalpark „Unteres Odertal“ im Rahmen der Initialisierung von Auwäldern gefördert. Zum Thema „Seltene Baumarten“ hat sie eine Broschüre herausgegeben. Aus diesem Engagement resultiert der Einsatz für den Förderkreis Speierling und die IG Edelkastanie, die sie seit einigen Jahren bei der Geschäftsführung und der Durchführung ihrer Jahrestagungen unterstützt.

Abb. 7: Mitglieder des Förderkreises Speierling begutachten einen starken Feldspeierling bei der Jahrestagung 2008 in Marmoutier im Elsass. Foto: Abs
Nach den Orkanen „Wiebke“, „Vivian“ (1990), „Lothar“ (1999) und „Kyrill“ (2007) war die Hilfe der Stiftung gefragt. Nach „Lothar“ konnte z. B. 135.000 € aus Spenden für die Wiederaufforstung der Wälder aufgebracht werden.
Neben Sanierung und Umbau von Waldflächen, ist die Waldvermehrung ein Anliegen der Stiftung. Sie betrachtet dies als aktiven Beitrag zum Schutz des Klimas. Der Wald ist bekanntlich eine wichtige CO2-Senke. In Mitteleuropa sollten wir, auf ehemaligen landwirtschaftlich genutzten Flächen neuen Wald anpflanzen, um die CO2-Speicherfunktion der Wälder zu vermehren.
Im Jahre 2000 veranstaltete die Stiftung ein europäisches Symposium zur Waldvermehrung in Freiburg.
Leider stößt die Idee der Waldvermehrung in Deutschland auch auf Widerstände. Um die Diskussion zu versachlichen und Hinweise zu einer landschaftsverträgliche Waldvermehrungspolitik zu geben, wurde die Broschüre „Wir brauchen mehr Wald“ erarbeitet. Sie gibt Hinweise zu einer Waldvermehrung, die im Einklang mit den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege steht.
In den unterschiedlichen Waldprojekten wurden mit Unterstützung der Stiftung aus Spenden fast 3 Millionen Bäume gepflanzt.
Ein letzter Bereich der Arbeit der Stiftung Wald in Not ist die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Sie ist ein wichtiger Beitrag zum Abbau der Ursachen der Waldschäden, die bekanntermaßen in den Emissionen aus der Nutzung fossiler Energiequellen liegen. Sie hat daher einige Pilotprojekte zur Nutzung von Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse gefördert. Sie wirbt für die Nutzung von Holz als Energierohstoff und unterstützen dabei andere Verbände und interessierte Unternehmen.
Am 23.06.2008 beschloss der Stiftungsrat der Stiftung Wald in Not, die Stiftung zum 31.12.2008 aufzulösen und das Stiftungsvermögen sowie deren Aufgaben und Zielsetzungen auf die Deutsche Bundesstiftung Umwelt zu übertragen. Vorstand und Stiftungsrat hätten gerne die Arbeit der Stiftung Wald in Not als selbständige Einrichtung in der bisherigen Form fortgeführt. Leider ließen das bescheiden Stiftungsvermögen und die Entwicklung der Einnahmen der Stiftung dem Stiftungsrat nur die Wahl, diesen Weg zu gehen, um die Idee der Stiftung und deren Ziele langfristig zu sichern.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat am 01.01.2009 innerhalb ihrer Tochter, der DBU Naturerbe GmbH, das „Projekt Wald in Not“ eingerichtet. Im Rahmen dieses Projektes werden u. a. die bisherigen Aktivitäten der Stiftung fortgeführt. Dazu stehen die von der Stiftung übertragenen Mittel zur Verfügung. Die DBU hofft, dass weiterhin Spender und Sponsoren bereit sind, das „Projekt Wald in Not“ zu fördern. Der bisherige Geschäftsführer der Stiftung Wald in Not, Dr. Christoph Abs, wird Leiter des Projektes und damit die bisherige Arbeit der Stiftung fortführen. Daneben wird Dr. Abs Ansprechpartner und Betreuer für die DBU übertragenen Naturerbefläche in der Wahner Heide und in Landau-Ebenberg sein.

Abb. 8: Übergabe der Stiftung Wald in Not an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.
Von rechts nach links: Dr. Fritz Brickwedde (Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt), Dr. Hedda von Wedel (Vorstandsvorsitzende der Stiftung Wald in Not), Dr. Bernhard Vogel (Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Wald in Not), Dr. Christoph Abs (Geschäftsführer der Stiftung Wald in Not). Foto: DBU
Im „Projekt Wald in Not“ soll die Informationsarbeit zum Thema „Wald“ fortgeführt und Pflanzprojekte zur Wiederaufforstung zerstörter Waldflächen oder der naturnahe Umbau von Wäldern unterstützt werden. Maßnahmen, die, vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden Klimawandels, eine wichtige Zukunftsinvestition sind.